Waka, Haka und das “Hell Hole of the Pacific”
Donnerstag, 1. Dezember 2011 | Autor: Torsten
Heute versuch ich das mal etwas anders – ich picke mir ein paar einzelne Fotos raus und zum Schluss gibt es dann das komplette Fotoalbum des heutigen Tages zum Durchklicken. Also los:
Ich halte mich ja derzeit in Paihia auf und ganz in der Nähe liegt einer der historischsten Orte Neuseelands: Waitingi und die dort liegenden “Treaty Grounds”, wo am 06. Februar 1840 ein Abkommen zwischen Māori und Pākehā (den europäischen Siedlern) geschlossen wurde – seitdem ist dieser Tag der Nationalfeiertag Neuseelands (“Waitangi Day”). Also ab auf das Fahrrad und wieder hin!
Für Neuseeländer ist der Eintritt kostenlos, alle anderen müssen 25$ zahlen – plus Programm on top. Ich habe mich für eine Guided Tour über das Gelände und eine Cultural Perfomance entschieden. Im Moment ist hier übrigens keine Touri-Hochsaison und auch die Treaty Grounds waren nicht gerade überlaufen, also fand die Führung in einem sehr überschaubaren Rahmen statt: Es haben außer mir nur zwei Damen aus London teilgenommen, daher konnte unser Tourguide (leider habe ich ihren Namen vergessen, aber Māori-Namen sind auch nicht gerade leicht zu merken) uns in aller Ruhe alles erklären und sämtliche Fragen beantworten.
(Die “Waka” sind die typischen Boote – das riesige Kriegskanu im ersten Bild wiegt über 6 Tonnen, bietet 100 Māori Platz und wurde anlässlich der 100-Jahrfeier 1940 aus dem Stamm des Baumes gebaut, dessen Überreste auf dem zweiten Bild zu sehen sind)
Den Māori ist Familie und Ahnenforschung sehr wichtig – unsere Führerin kennt ihre Familiengeschichte über sämtliche Generationen, unter anderem bis hin zu ihrem berühmten Vorfahren, der bei Russell den Hügel stürmte und einen britischen Fahnenmast absägte, aber dazu später mehr.
Heute markiert ein großer Fahnenmast mit der Fahne Großbritanniens, der Māori und (natürlich) der neuseeländischen Fahne den Ort, an dem 1840 die Māori-Häuptlinge der Nord-Insel (die Süd-Māori waren nur mit einem Stamm vertreten) mit den Briten im Namen der Königin ein Abkommen abschlossen, mit dem Neuseeland offiziell Teil des britischen Empire wurde.
(Fahnenmast am Ort der Vertragsschließung und das “Treaty House”, wo James Busby lebte, der den Vertrag mitgeschrieben hat)
Achso – und jetzt kommt endlich mal ein Foto von mir, sonst glaubt ja keiner, dass ich wirklich hier war…
Mit zu sehen ist auch eine der beiden Damen aus London. Das zweite Foto zeigt eine Szene aus der Cultural Perfomance, die ich danach besuchte.
Ich bin froh, dass es von der Performance kein Bild von mir gab… das war ja wieder was. Auch dort waren wir nur zu dritt (jedoch diesmal mit einer Neuseeländerin aus Wellington und ihrem Enkelsohn) – und auf wen fiel wohl die Wahl, als jemand aus dem riesigen Publikum beim “Haka” mitmachen sollte? Na? “Haka” ist der rituelle Tanz der Māori, der heute noch von den All Blacks (der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft) aufgeführt wird. Guckt euch das mal bei Youtube an (Klick hier) – die haben das echt drauf. Ich hätte da keine Lust, im Team auf der anderen Seite zu stehen.
Für mich gab es einen Crash-Kurs mit In-Die-Hocke-gehen, grimmig gucken, Zunge rausstrecken, auf die Brust und Arme klopfen… naja, was ich eben zu Hause auch immer so mache.
Ein anschließender Stopp im Supermarkt, um Proviant für die Tour nach Russell auf der anderen Seite der Bucht zu sammeln, hat Erstaunliches gezeigt:
(Wo gibt’s denn sowas? Grolsch als Feinschmecker-Getränk in der 1,5 Liter Flasche für 16 (!!!) $ im Sonderangebot…?!)
Nun ging es zurück nach Paihia und dann mit der Fähre nach Russell – einst wurde die Stadt von Walfängern und anderen Seeleuten belagert, die hier Rast machten, Handel betrieben und auch sonst all die ganzen Sachen trieben, die Seeleute nach langer Seefahrt so in den Sinn kamen.
Der Ort war jedenfalls so jenseits von Gut und Böse, dass auch Charles Darwin auf einer Reise nach Hause schrieb, dass dieser Ort das “Hell Hole of the Pacific” sei und den Abschaum der Menschheit beherberge. Heute ist es aber dermaßen ruhig und auf Touristen ausgelegt, dass davon nicht wirklich mehr etwas zu spüren ist.
Ein kleiner Spaziergang durch das Dörfchen hat mich an Neuseelands ältester Tankstelle und ältester Kirche vorbeigeführt:
Danach gab es noch einen strammen Marsch den Flaggenhügel hinauf, auf dem einst einer der Vorfahren meiner Māori-Führerin (siehe oben) den britischen Fahnenmast fällte. Das ganze ist übrigens mehrmals vorgekommen, weil einige Māori sich betrogen fühlten und meinten, dass sich Großbritannien nicht an die Abmachungen hielt. Die Briten haben das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und das führte dann auch zu dem neuseeländischen Krieg, über den ich in bereits im Museum in Auckland etwas erfahren habe. Die Aussicht von da oben war atemberaubend und ich habe einfach sehr lange nur gesessen und Luft und Landschaft genossen.
(Auf dem Bild sieht es gar nicht so steil aus, war aber echt anstrengend! / Ausblick vom Flaggenhügel)
Der Weg zurück zur Fähre und dann auch nach Paihia war schnell gemacht – und heute Abend werde ich sicherlich wieder gut schlafen, aber das habe ich bisher in jeder Nacht.
In Paihia werde ich übrigens noch bis Samstag bleiben – das ist ein Tag länger, als geplant. Danach soll es zurück über Auckland und dann mit einer Fähre nach Coromandel gehen – darüber habe ich bisher aus vielen Quellen Gutes gehört. Und auch mein Lonely-Planet-Reiseführer hält da ein paar gute Tipps bereit. Den Reiseführer möchte ich auch nicht missen – das Teil ist unbezahlbar! Der Plan für morgen: Delphine gucken und mit ihnen schwimmen!
Der Trip ist nicht ganz günstig, hoffentlich klappt alles.
Und nun alle Fotos am Stück (auf zwei Seiten, also Klick auf “Next” nicht vergessen):






Hallo mein Schatz…morgen bist du schon eine Woche weg, bleiben ja „nur“ noch drei
Ich lese deine Berichte so gerne und habe den neusten bestimmt jetzt auch schon zum dritten Mal gelesen. Du bist also nicht nur den ganzen Tag unterwegs, sondern das ganze auch noch hoch zu Ross ähm Fahrrad. Sportlich, sportlich der Herr. Ich saß schon ein Jahr nicht mehr auf einem Drahtesel und ich glaube, das sich das in nächster Zeit auch nicht ergeben wird.
Naaa endlich gibt es mal ein Foto von dir, nein sogar zwei…darauf habe ich gewartet. Aber wenn man mehr oder weniger alleine unterwegs ist, ist es auch ein bisschen schwierig gute Fotos von sich selbst zu machen
Du weißt ja, was du machen musst, wenn du wieder wohlerhalten in Deutschland ankommst…du führst uns den „Haka“ vor
Ich garantiere dir NICHT zu Lachen
Ok, das schaffe ich nicht, aber du wirst nicht drum herum kommen ein bisschen zu Tanzen, natürlich mit dem ganzen Geschreie.
Hast du dir denn zur Feier des Tages einen Kasten Grolsch zum Schnäppchenpreis gegönnt? Also ich könnte es nicht verstehen, wenn du da nicht zugegriffen hast
Ich muss ja zugeben, als du die Flipper erwähntest, wurde ich echt neidisch. Aber du weißt ja, dass das Wichtigste, was man zum Baden braucht in Deutschland geblieben ist…also los Badehose kaufen
Hab einen wundervollen Tag, :-*
Hallo mein Kind,
einfach wieder mal herzerfrischend Dein Bericht. Sarah hat schon so einen tollen Kommentar geschrieben, ich hatte fast dieselben Gedanken und sage nur HAKA !! Das hätte ich gerne gesehen, Du kannst ja noch 3 Wochen vor Ort üben. Wenn ich daran denke mit Delphinen zu schwimmen könnte ich sofort mit ins Wasser springen aber leider ist der Weg ein wenig weit. Mach bitte viele, viele Fotos davon, vielleicht kann Dich ja jemand fotografieren. Freu Dich auf dieses tolle Erlebnis und wir freuen uns auf den nächsten Bericht und Deine Erfahrung. Viel Spass, bis bald Mutsch
Moin Torsten,
ich schließe mich mal den Damen an. Die Berichte sind auch meine morgentliche Lektüre. Sehr informativ zu lesen und schöne Fotos.
Mit dem Haka hast du dir aber ein Eigentor geschossen, fürchte ich. Die nächste JWD-Session folgt bestimmt – dann auch mit einem Haka von dir.
Genieße weiter deinen Trip.